Gründung als "Maschinenbank" vor 60 Jahren

Gründung als "Maschinenbank" vor 60 Jahren

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Gründungsvater Hermann Schmidt erinnert sich an die Anfänge

Gründung als "Maschinenbank" vor 60 Jahren

Gründungsvater Hermann Schmidt musste viel Überzeugungsarbeit leisten: An der Wand des Altbürgermeisters hän- gen Dankesurkunden des Maschinenrings. Fotos: Rainer Fritsch (2)

BAUDENBACH (rf) – „Es war nicht leicht vor 60 Jahren die Landwirte von dem Projekt Maschinenring zu begeistern. Die Idee, sich gegenseitig zu unterstützen, erinnerte viele Landwirte an die Verhältnisse in der DDR oder in Russland. Die jüngeren Landwirte zeigten sich dieser Idee gegenüber schon offener.“

Dies stellte der ehemalige Bürgermeister Hermann Schmidt bei einem Besuch in seinem Haus in Baudenbach fest. Er war der Gründervater der „Maschinenbank“, die dann zum Maschinenring wurde. Der damals 26-jährige Junglandwirt war zu dieser Zeit Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Baudenbach. Er hatte von den Ideen von Dr. Erich Geiersberg gehört, der 1958 den ersten Maschinenring im bayerischen Buchhofen gründete. Hermann Schmidt konnte in Baudenbach erleben, dass viele Kleinbauern nicht die entsprechenden Gerätschaften hatten, um zum Beispiel zu säen oder zu ernten. Das Generalziel der Maschinenringe war der Solidaritätsgedanke zwischen den verschiedenen Mitgliedsbetrieben, die sich gegenseitig halfen.

Im Jahr 1962 fand im damaligen Gasthaus Vicedom die Gründes ersten Maschinenrings (damals als Maschinen- bank) statt.

Hermann Schmidt lud am 26. Juli 1962 in die Gastwirtschaft Vicedom ein, um einen Maschinenring ins Leben zu rufen. Insgesamt waren es acht Landwirte, die sich zu einer „Maschinenbank“ zusammenschlossen, so Hermann Schmidt, der auch die Vorstandschaft übernahm. Der Name „Maschinenbank“ kommt nach seinen Worten von dem Umstand, dass die Raiffeisenbank die Abrechungen der acht Landwirte abwickelte, um sie von dieser Arbeit zu entlasten. Zehn Jahre lang lief dieses Modell nach den Wortenvon Hermann Schmidt sehr gut.Dann entschloss sich aber dieRaiffeisenbank Baudenbach mitder Raiffeisenbank in Neustadtzu fusionieren und diese wolltedie „Maschinenabrechnungen“für die Landwirte nicht mehrübernehmen. Aus der „Maschinenbank“ wurde der „Maschinenring“, erklärte HermannSchmidt. Schmidt war von 1978bis 1984 Zweiter Bürgermeistervon Baudenbach und von 1984bis 2002 Erster Bürgermeister.Er ist heute schon etwas stolz,dass sich die Idee des Maschinenrings durchgesetzt und bewährt hat.

Die Entwicklung vom Maschinenring Baudenbach zum Maschinenring Franken Mitte 

Bereits 1967 hatte sich der Maschinenring Baudenbach mitden Maschinenringen aus Stübach, Roßbach, Mönchsbergund Münchsteinach zusammengeschlossen, 1972 folgteder Zusammenschluss mit demMaschinenring Steigerwald mitSitz in Iphofen. Vor fünf Jahrenerfolgte der Umzug nach MarktBibart, wo sich der Maschinenund Betriebshilfsring FrankenMitte ein eigenes Geschäftshaus für rund 350000 Eurobaute. Nach den Worten vonGeschäftsführer Manuel Burger(er wohnt in Geiselwind) gibt esderzeit fünf Beschäftigte. Dererste Vorsitzende ist seit 2018Herbert Weigand aus Hellmitzheim, sein Stellvertreter DieterJaeckel aus Buchbach bei Burghaslach. Die Zahl der Mitgliederschrumpft, denn es werden immer weniger Landwirte. Derzeitsind es noch 1573. Zunehmendist hingegen die Fläche der beteiligten Landwirte, denn diesebeträgt mit dem Wald 72000Hektar.

Leistungen des Maschinenrings Franken Mitte

Nach den Worten von Manuel Burger wurden die Serviceleistungen in den letzten Jahrzehnten immer mehr erweitert und verbessert. Die beteiligten Landwirte können diese in Anspruch nehmen und sie können sich auch selbst als Fachkräfte und Maschineneigentümer einbringen und damit ihr eigenes Einkommen erweitern. Angeboten werden Maschinenvermittlung, soziale und wirtschaftliche Betriebs- und Haushaltshilfe, Gülleuntersuchungen, Winterdienst, Grünpflege, Reinigung von Solaranlagen und Baumpflege. Es werden finanzielle Einkaufsvorteile mit verschiedenen Kooperationspartnern vermittelt. Für die Landwirte werden Anträge für Zuschüsse und vieles mehr durchgeführt, denn mit den sich ständig ändernden Vorschriften sind viele oft überfordert oder ihnen fehlt die Zeit. Manuel Burger erklärte dazu, dass ausschließlich Profis als Arbeitskräfte vermittelt werden. Die ortsansässigen Landwirte sind flexibel und daher schnell am Einsatzort, wenn sie zum Beispiel wegen Krankheit, Kur oder Schwangerschaft aushelfen müssen. Sie verfügen zudem über ein sehr gutes Equipment.

Zahlen und Fakten zum Maschinenring Franken Mitte

Für die 1573 Mitglieder wurden im letzten Jahr Leistungen im Wert von 12,6 Millionen Euro abgerechnet. Pro Mitglied sind dies 8 027 Euro. Bei den angeschlossenen Betrieben verbesserte sich das Betriebsergebnis um 2,5 Millionen Euro. Im letzten Jahr wurden insgesamt 104298 Einzelstunden abgerechnet, davon im sozialen Bereich 21031 Stunden und im wirtschaftlichen Bereich 83267. Seit 2005 wurden 114 Seminare abgehalten und es gab 1248 Einzelberatungen von Landwirten. Dringend gesucht werden nach den Worten von Michael Burger hauptamtliche und nebenberufliche Betriebshelfer. (rf)


Jubiläumsfest am Pfingstmontag, 6. Juni

Die Feierlichkeiten starten am Montag um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst im Festzelt in Baudenbach. Baudenbach wurde als Veranstaltungsort ausgewählt, weil es der Ursprungsort des Maschinenrings rund um Gründervater Hermann Schmidt war. Nach dem Gottesdienst gibt es Festreden, unter anderen werden als Ehrengäste Landrat Helmut Weiß und Gerd Düll vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Uffenheim erwartet. Zur Unterhaltung spielt der Bläserchor Ippesheim. Von 10 bis 17 Uhr gibt es eine landwirtschaftliche Ausstellung mit der modernsten Technik zur Gewinnung von Lebensmitteln, natürlichen Rohstoffen und erneuerbaren Energieträgern. (rf)