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Aufbruch in der Schweinehaltung?

Aufbruch in der Schweinehaltung?

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Aufbruch in der Schweinehaltung?

Foto: LLA Triesdorf

Die Schweinehaltung in Mittelfranken ist auf dem Rückzug. Seit 2019 hat die Anzahl der gehaltenen Mastschweine und Zuchtsauen weiter um fast ein Drittel auf unter 200.000 Mastschweine und 22.000 Sauen abgenommen, rechneten Bernhard Meyer und Stefan Käpplinger vom Schweine-Team am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei einem Unternehmertag vor.

Trotzdem ist die Versorgung mit Schweinefleisch aus eigener Erzeugung noch nicht gefährdet. Verteilt man die Menge der in Mittelfranken gemästeten Schweine auf die 1,8 Millionen Einwohner, so kommen auf jeden Einwohner immer noch rund 33 kg Schweinefleisch. Das ist mehr als der Pro-Kopf-Verzehr in Deutschland in Höhe von 27,5 Kilo (Zahlen aus 2023). Allerdings wird trotz der inzwischen stabilisierten wirtschaftlichen Lage der Schweinehaltung mit weiteren Rückgängen, insbesondere in der Ferkelerzeugung gerechnet. Der bis 9. Februar 2029 geforderte Umbau des Deckzentrums werde viele Betriebsleiter überfordern, meint Meyer.

Es müssen viele Vorschriften eingehalten werden

Hinzu kommen immer wieder neue gesetzliche Vorgaben wie das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THKG). Es betrifft alle Betriebe, egal ob es um zwei Tiere geht oder um 5000. Nur Mastschweine, die ausschließlich für den eigenen Verzehr gehalten werden, sind nicht betroffen. Die Vorschriftenflut ist noch nicht zu Ende. Alle Tierhalter von Mastschweinen im Alter von zehn Wochen bis zur Schlachtung sind verpflichtet, ihre Tierhaltungen der zuständigen Behörde zu melden und ihren Betrieb in eine der fünf Stufen einzustufen. Ab 1. August 2025 muss dann frisches Schweinefleisch auch im Laden oder in der Metzgerei eine Kennzeichnung der Haltungsform (Stufe 1 – 5) der Tiere, von denen das Lebensmittel gewonnen wurde, aufweisen. Stufe 1 = Stallhaltung nach gesetzlichen Vorgaben; Stufe 2 = Stallhaltung mit mehr Platz pro Tier; Stufe 3 = Frischluftstall; Stufe 4 = Auslauf und Weide; Stufe 5 = Bio. Momentan beträgt der Anteil der Ställe in Mittelfranken ab Stufe 3 rund zehn Prozent der Schweine. Um in die Stufe 3 zu kommen, müssten viele Ställe umgebaut werden.

Doch Bernhard Meyer, Fachberater für Schweinehaltung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach ist nicht so skeptisch wie viele Tierhalter. Jede Krise bedeutet seiner Ansicht nach auch eine Chance. Aufgrund des Rückgangs erlangt der Rohstoff Schweinefleisch aktuell eine zusätzliche Bedeutung. Standen bisher hauptsächlich die Rohstoffkosten im Vordergrund, gewinnen nun auch Rohstoffsicherheit und bestimmte Haltungsbedingungen wie zum Beispiel Außenklimareiz-Frischluftstall an Bedeutung.

Um die Zahl der Tierwohl-Schweine ab Stufe 3 zu erhöhen, bietet der Einzelhandel (unter anderem Edeka, Kaufland) inzwischen Mästern die Aufnahme in ein Markenfleischprogramm an. Pro Schweine sind Zuschläge von 25 bis 30 Euro im Gespräch. Fritz Arnold

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